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Artikel · Die Industrie von morgen · 05.11.2026 · L'équipe FULLCNC

Europa rüstet auf: Bleiben Schweizer Zulieferer draussen?

Das EU-Programm EDIP zählt die Schweiz nicht zu den assoziierten Ländern. Am 29. November stimmt das Volk über die Schweizer Exportregeln ab.

Seit dem 30. Dezember 2025 ist das Europäische Verteidigungsindustrieprogramm EDIP in Kraft. Bis 2027 stehen mindestens 1,2 Milliarden Euro aus dem EU-Budget bereit. Gefördert wird nur, wenn mindestens 65 Prozent der Kosten auf Komponenten aus der EU oder einem assoziierten Land entfallen. Assoziiert sind laut der Kanzlei Gleiss Lutz nur EFTA-Staaten, die auch dem EWR angehören. Die Schweiz gehört nicht dazu.

Ein Schweizer Teil fällt damit in die restlichen höchstens 35 Prozent. Auch diese Tür kann zugehen, wenn Sicherheitsinteressen der EU oder ihrer Staaten berührt sind.

Worum es am 29. November geht

Zur Abstimmung steht die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes vom 19. Dezember 2025. Kriegsmaterial dürfte an einen Partnerstaat geliefert werden, der in einen bewaffneten Konflikt verwickelt ist, wenn das mit der Neutralität und den Interessen der Schweiz vereinbar ist. Die Liste umfasst 36 Staaten. Käufer bräuchten für die Weitergabe nicht mehr systematisch die Zustimmung der Schweiz. Der Bundesrat könnte unter ausserordentlichen Umständen von den Bewilligungskriterien abweichen. Bundesrat und Parlament empfehlen ein Ja, das Referendumskomitee ein Nein.

Für Zulieferer wichtig: Bestandteile für die Herstellung von Kriegsmaterial fallen laut SECO nur darunter, wenn sie erkennbar ausschliesslich militärisch verwendbar sind.

Die Zahlen, und wie beide Seiten sie lesen

2025 exportierte die Schweiz Kriegsmaterial für 948 Millionen Franken in 64 Länder, fast so viel wie im Rekordjahr 2022. Bis September 2026 waren es laut SECO rund 736 Millionen.

Die Befürworter, darunter Swissmem und Rheinmetall, sagen: Ausländische Partner meiden Schweizer Hersteller, das geltende Recht bedrohe die Branche. Swissmem veröffentlicht aber keine Beschäftigungszahlen. Es nennt Einzelfälle wie Stellenabbau und Kurzarbeit. Die Gegner halten dem entgegen: Die Exportzahlen widerlegten die behauptete Krise. Das Referendumskomitee warnt, Waffen könnten an Regime im Krieg gelangen und die Schweiz verliere die Kontrolle über die Weitergabe. Das Bild ist gemischt: Rheinmetall Air Defence in Oerlikon hat seine Belegschaft laut 20 Minuten vor einem Jahr auf 1250 Personen verdoppelt.

Was das für dich heisst

Diese Zeilen sind keine Abstimmungsempfehlung. Unabhängig vom Ausgang gilt: Kläre, ob deine Teile als Kriegsmaterial oder Dual-Use-Gut gelten können, und frage bei neuen Anfragen nach dem Endprodukt. Rechne nicht damit, dass EDIP-Geld direkt zu dir fliesst. Arbeitest du für einen Hauptlieferanten in der EU, frag ihn, wie er deine Teile in der 65-Prozent-Rechnung führt. Ob die europäische Aufrüstung bei Schweizer Lohnfertigern ankommt, ist noch offen: Dazu haben wir keine belastbaren Zahlen gefunden.

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