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Artikel · Die Industrie von morgen · 05.11.2026 · Das FULLCNC-Team

Stahl: Die EU macht die Tür enger, der grüne Umbau kommt später

Zollfrei dürfen nur noch 18,3 Millionen Tonnen in die EU, darüber gelten 50 Prozent. Seit Oktober muss zudem belegt sein, wo der Stahl geschmolzen wurde.

Seit dem 1. Juli 2026 gelten die neuen Stahlmassnahmen der EU, ohne zeitliche Begrenzung. Die zollfreien Kontingente sinken auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr, rund 47 Prozent weniger als zuvor. Ausserhalb der Kontingente steigt der Zusatzzoll von 25 auf 50 Prozent. Island, Liechtenstein und Norwegen sind ausgenommen, die Schweiz nicht. Die EU begründet das mit weltweiten Überkapazitäten, die sie auf 620 Millionen Tonnen beziffert.

Was die Schweiz erhalten hat

Bern verlangte vergeblich eine Ausnahme. Immerhin hat die Schweiz länderspezifische Kontingente in den Kategorien 12, 14, 16, 17, 26 und 27 sowie garantierte Mengen in fünf weiteren. Sie steht damit besser da als die meisten Drittstaaten. Das Wirtschaftsdepartement ist trotzdem nicht zufrieden. Die beiden grossen Schweizer Produzenten, Stahl Gerlafingen und Swiss Steel, kämpften schon vorher ums Überleben. Stahl Gerlafingen warnte im Oktober 2025 zudem, abgedrängter Billigstahl könne in die Schweiz fliessen.

Der neue Papierkrieg

Seit dem 1. Oktober 2026 braucht der Importeur in die EU ein Werkszeugnis mit dem Land des Schmelzens und Giessens und der Schmelzennummer. Bis zum 30. September 2027 reichen andere Dokumente mit beiden Angaben. Ohne Nachweis wird die Einfuhr verweigert.

Dazu kommt der CO₂-Grenzausgleich CBAM, seit Januar 2026 in der definitiven Phase. Waren mit Ursprung Schweiz sind befreit, weil die Emissionshandelssysteme verknüpft sind. Der Ursprung richtet sich aber nach den nichtpräferenziellen EU-Regeln. Verarbeitest du Vormaterial aus Drittstaaten, musst du das genau prüfen.

Grüner Stahl: Später, und zuerst mit Gas

Die EU-Kommission hat die Förderbedingungen für den Umbau von Thyssenkrupp in Duisburg gelockert: Der Wasserstoffanteil darf langsamer steigen, die Anlage länger mit Erdgas laufen. Grüner Wasserstoff ist teurer als geplant, die Infrastruktur fehlt. Schon Erdgas allein senkt die Emissionen gegenüber dem Hochofen um über 50 Prozent. Salzgitter hat Schritte um drei Jahre verschoben, ArcelorMittal seine deutschen Projekte aufgegeben. Der Aufpreis für grünen Flachstahl lag laut Fastmarkets Anfang 2026 bei 100 bis 170 Euro pro Tonne. Eine neuere offene Zahl haben wir nicht gefunden.

Was das für dich heisst

Kaufst du Stahl, verlang Zeugnisse mit Schmelzland und Schmelzennummer, auch wenn dein Kunde sie heute noch nicht will. Lieferst du in die EU, prüfe deine Zolltarifnummern gegen Anhang I der Verordnung 2026/1384 und frag den Importeur, wie er die Nachweise führt. Halbfabrikate und Fertigteile kann das anders treffen als Rohstahl. Rechne bei grünem Stahl nicht mit schneller Entlastung: Angebot und Preis bleiben vorerst unsicher.

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