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Artikel · Die Industrie von morgen · 04.11.2026 · Das FULLCNC-Team

Warum Wolfram in Rotterdam fast viermal so viel kostet wie in China

Im Oktober stand APT in Rotterdam bei 278 Dollar pro Kilo, ab Werk China bei 74 Dollar. Einen einheitlichen Weltmarktpreis gibt es nicht mehr.

Wer Hartmetall kauft, liest vom Preisrutsch in China. In Europa kommt davon wenig an. Laut einer Auswertung von MetalMiner, wiedergegeben von IndexBox, kostete Ammoniumparawolframat (APT), das Vorprodukt für Hartmetall, im Oktober in Rotterdam 278,22 Dollar pro Kilo, ab Werk China 74,43 Dollar. Das ist der Faktor 3,74. Von September 2021 bis Juni 2025 lag er im Schnitt bei 1,24. Zwischen März und September 2026 fiel der chinesische Monatsschnitt um 58 Prozent, jener in Rotterdam stieg um 39 Prozent.

Warum der Markt auseinanderbricht

Der Bericht spricht nicht von einem weltweit gleichen Mangel. Der Markt trennt sich nach Regeln, Verfügbarkeit und Verarbeitungskapazität. China verlangt seit Februar 2025 Exportlizenzen. Laut einem Hartmetallanbieter dürfen 2026 und 2027 nur noch 15 Firmen einer Liste des Handelsministeriums Konzentrat, APT, Oxide und Pulver ausführen. Die USA bauen ebenfalls Mauern: höhere Zölle, eine Anordnung gegen den Abfluss von Wolframschrott, ab dem 1. Januar 2027 Herkunftsregeln für die Rüstung.

Ein Detail verdient einen zweiten Blick. Gesintertes Hartmetall fällt laut demselben Anbieter nicht unter diese Exportkontrolle. Unsere Hypothese: Fertige Rohlinge und Werkzeuge aus China könnten dadurch gegenüber Ware aus teurem europäischem Pulver attraktiver werden. Belegt ist das nicht, und der Anbieter hat ein eigenes Verkaufsinteresse.

Was beim Werkzeug ankommt

Unbeschichtete Hartmetallstäbe kosteten laut einem Fachbeitrag im Oktober 2025 rund 30 Euro pro Kilo, im Mai 2026 waren es 200 bis 240 Euro. Ein deutscher Werkzeughersteller rechnet seit Mai mit einem Rohstoffzuschlag nach Rohlingsgewicht: zuerst 225 Euro pro Kilo Hartmetall, ab Juni 255 Euro, der letzte Wert, den wir gefunden haben. Er wird monatlich geprüft und soll sinken, wenn die Rohstoffpreise fallen.

Für Schweizer Preise in Franken haben wir keine offene Quelle gefunden. Unsere Einschätzung: Für dich zählt eher der europäische Preis als der chinesische.

Europa baut, aber nicht für morgen

Die EU hat am 9. Oktober drei Wolfram-Projekte für Verteidigung und Luftfahrt ausgewählt. Sie könnten 57 Prozent des Verarbeitungsziels für diesen Rohstoff decken. Das sind strategische Projekte, keine Tonnen im Lager von nächster Woche.

Was das für dich heisst

Frag deinen Lieferanten, an welchen Index sein Zuschlag gebunden ist und wann er sinkt. Eine Schlagzeile über fallende Preise in China hilft dir nicht, wenn er zu Rotterdamer Preisen einkauft. Prüfe, wo Nachschleifen bei dir noch Sinn ergibt, und sammle Hartmetallschrott getrennt. Vergleichst du Angebote aus Asien, schau auf Herkunft, Qualität und Lieferzeit, nicht nur auf den Preis. Der Wolframmarkt bleibt unsicher: Alle Zahlen hier sind Momentaufnahmen.

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