Wolfram stürzt ab, Inox steigt, Strom sinkt: Was davon im Stückpreis ankommt
Der Wolfram-Vorstoff kostet 69 Prozent weniger als im März, die EU-Importpreise zeigten bis August aber noch nach oben. Wer heute kalkuliert, rechnet mit Preisen, die zeitversetzt ankommen.
In der Werkstatt kommen drei Kostenblöcke zusammen: Werkzeug, Material und Energie. Alle drei laufen gerade in verschiedene Richtungen, und alle mit Verzögerung.
Werkzeug: Der Weltmarkt fällt, der Zuschlag blieb
Ammoniumparawolframat, das Zwischenprodukt für Hartmetall, stand am 15. Oktober in China laut dem Branchendienst SMM bei 470'000 Yuan pro Tonne, 69 Prozent unter dem Hoch von Mitte März. Damit sind die Jahresgewinne weg.
Beim Einkauf in Europa sah es anders aus. Der mittlere EU-Importpreis für Wolfram lag von Juni bis August 15,8 Prozent über März bis Mai. Das haben wir aus Eurostat-Daten berechnet, Eurostat ist dafür nicht verantwortlich. Die Daten enden im August und bilden die jüngsten Rückgänge nicht ab.
Laut dem Fachportal Dr. Web verlangen deutsche Hersteller seit dem 1. Mai einen Rohstoffzuschlag von über 250 Euro pro Kilo Hartmetall. Das ist eine einzelne Sekundärquelle, Preislisten der Hersteller haben wir nicht gesehen. Ob der Zuschlag inzwischen gesunken ist, wissen wir nicht. Zum Rechnen: Eine angenommene Platte mit 10 Gramm Hartmetall trüge 2.50 Euro Zuschlag.
Die Entwarnung gilt nicht auf Dauer. China hält rund 80 Prozent des Weltmarkts, und auch Recycling ist keine vollständige Antwort. Markus Heseding vom VDMA sagte dazu im Juli: „Auch eine 100%-Quote wird uns nicht retten.“ Für synthetische Diamanten, die in Schleifscheiben stecken, erwartete der Verband ab diesem November eine Exportkontrolle.
Material: Inox zieht an
Bei den Halbzeugen zeigt unsere Auswertung für Juni bis August gegenüber März bis Mai: Inox-Stangen plus 8,1 Prozent, Messing-Stangen und Titan je plus 2,4 Prozent. Auch das sind EU-Importpreise im Mittel, nicht dein Angebot vom Händler.
Ein Rechenbeispiel, kein realer Fall: Macht das Material 30 Prozent deines Stückpreises aus, schlagen 8,1 Prozent Inox mit rund 2,4 Prozent auf den Preis durch. Wie hoch der Materialanteil in der Branche im Schnitt ist, dazu haben wir keine öffentliche Zahl gefunden.
Strom: Entlastung mit Ablaufdatum
Die ElCom meldet für 2027 sinkende Energietarife. Der Median für Haushalte liegt bei 26,5 Rappen pro Kilowattstunde, rund 4 Prozent tiefer. Für mittlere Betriebe zeige sich ein ähnliches Bild, doch die Netzkosten steigen leicht. Eine eigene Zahl für Betriebe nennt die Mitteilung nicht, zu Grossverbrauchern sagt sie nichts.
Der Preisanstieg im Grosshandel seit dem Iran-Krieg vom März 2026 wirkt laut ElCom auf 2027 kaum, dürfte aber in den Folgejahren spürbar werden.
Was das für dich heisst
Rechne deine drei grössten Aufträge mit deinem echten Materialanteil nach. Frag deinen Werkzeuglieferanten schriftlich, wie sein Zuschlag an den Wolframpreis gekoppelt ist und wann er sinkt. Und gib lange Offerten nicht mit dem Strompreis von 2027 ab, wenn sie bis 2028 laufen.
Quellen
- SMM, 16.10.2026
- Eurostat, Datensatz DS-045409, Zugriff 04.11.2026, Trend berechnet von FULLCNC.TV
- Eurostat, Inox-Stangen, Datensatz DS-045409, Zugriff 04.11.2026, Trend berechnet von FULLCNC.TV
- Dr. Web, Wolfram, aktualisiert 14.10.2026
- ingenieur.de / VDI-Z, 13.07.2026
- ElCom, Stromtarife 2027, 08.09.2026