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Artikel · Wirtschaft vor Ort · 05.11.2026 · L'équipe FULLCNC

Erholung mit zwei Geschwindigkeiten: Grossfirmen plus 2,9, KMU minus 3,8 Prozent

Die Tech-Industrie meldet zweistellig mehr Aufträge. Beim Umsatz der KMU kommt davon nichts an: Er fiel im zweiten Quartal um 3,8 Prozent, und das Minus wurde grösser, nicht kleiner.

Die Schlagzeile vom August klang gut: plus 12,1 Prozent Aufträge im ersten Halbjahr. Eine Folie der Swissmem-Präsentation erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal stieg der Umsatz der Grossunternehmen um 4,5 Prozent, jener der KMU fiel um 1,8 Prozent. Im zweiten Quartal lauten die Werte plus 2,9 und minus 3,8 Prozent. Die Schere ging damit von 6,3 auf 6,7 Prozentpunkte auf, so unsere Rechnung.

Warum die Kleinen hinterherhinken

SRF nennt eine Erklärung: KMU produzieren vor allem in der Schweiz und tragen die hohen Kosten voll, nach Jahren schwacher Konjunktur in Europa sind Margen und Reserven dünn. Die Umfrage der Universität St. Gallen liefert die passende Zahl dazu. Rund 15 Prozent der KMU fertigen auch im Ausland, bei den Grossen sind es 70 Prozent. Wer Werke im Euroraum oder in den USA hat, kann Währung und Zölle zum Teil abfedern.

Bewiesen ist dieser Zusammenhang damit nicht. Die Folie zeigt nicht, wie sich die KMU in dieser Statistik nach Subbranchen verteilen. Es kann auch daran liegen, in welchen Märkten sie tätig sind.

Wo es besonders klemmt

Die Exporte nach Subbranchen zeigen im ersten Halbjahr ein gemischtes Bild, und nicht jede Sparte steht für die KMU. Für die Zerspanung sind aber einige Zeilen interessant. Werkzeugmaschinen verloren 0,7 Prozent, Präzisionswerkzeuge 2,8 Prozent, der Werkzeug- und Formenbau 10,1 Prozent, Automotive-Teile 11,9 Prozent und Textilmaschinen 33,3 Prozent.

Dazu kommt die Rentabilität. 24 Prozent der von Swissmem befragten Firmen hatten 2025 eine negative EBIT-Marge, 2022 waren es noch 18 Prozent. Die Auslastung lag im zweiten Quartal bei 81,1 Prozent, das Mittel von 2015 bis 2025 bei 85,6 Prozent.

Die Relation, die oft fehlt

Plus 14,4 Prozent Aufträge im zweiten Quartal wirkt wie ein Boom. Der Swissmem-Index steht beim Auftragseingang aber bei 101,0, beim Umsatz bei 99,7, gemessen an der Basis Ende 2019 mit 100. Das ist keine Rekordzahl, sondern eine Rückkehr auf den Stand von vor knapp sieben Jahren, und zwar nominal.

Kommt es noch bei dir an?

Die hoffnungsvolle Lesart: Aufträge landen zuerst bei den Grossen und erreichen die Zulieferer mit Verzögerung. Das ist plausibel, aber wir haben dafür keinen Beleg gefunden. Die Gegenthese wäre, dass Grossfirmen mehr bei eigenen Werken im Ausland beschaffen. Auch sie ist nicht gemessen. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob die Schere enger wird.

Was das für dich heisst

Lies die Branchenzahl nicht als deine Zahl. Vergleiche deinen eigenen Auftragseingang mit dem Vorjahr, und frag deine drei wichtigsten Kunden direkt, was sie für das erste Halbjahr 2027 planen. Plane dein Personal nach dem, was im Auftragsbuch steht, nicht nach der Schlagzeile.

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